Bilinguales Deutsch-Chinesisches Bildungskonzept
Das Bildungskonzept ist die Grundlage für die Kita, Eltern und Erzieher. Bisher gibt es für eine Deutsch-Chinesische Kita kein fertiges Bildungskonzept, sondern nur Bestandteile aus anderen bilingualen Kita-Konzepten. Wir haben daher auf Grundlage des Berliner Bildungsprogrammes und anderen bilingualen Konzepten ein Deutsch-Chinesisches Bildungskonzept initial aufgebaut und entwickeln es mit Eltern und Erziehern und im Austausch mit Kitas und Partnern kontinuierlich weiter.
Das Konzept ist:
- Bilingual: Unsere deutschen und chinesischen Erzieher sprechen durchgängig bilingual Deutsch und Chinesisch mit den Kindern. Über feste Bezugspersonen und eine natürliche Anwendung der Sprache im Alltag fällt es Kindern im frühkindlichen Alter leicht, mehrere Sprachen verstehen und sprechen zu lernen.
- Interkulturell: Vielfalt und der interkulturelle Austausch spiegelt sich in Festen, Aktivitäten, Einrichtung oder auch Partnerschaften wider. Wir möchten den Kindern vermitteln, dass die Welt bunt und vielfältig ist und es viel von anderen Kulturen zu lernen und zu entdecken gibt.
- Entwickelt auf Basis des Berliner Bildungsprogramms (BBP): Das Berliner Bildungsprogramm bildet den Rahmen für das Bildungskonzept hinsichtlich Selbstverständis, Strukturierung, Methoden und Qualitätsevaluation, etc.
Berliner Bildungsprogramm als Rahmen
Das Berliner Bildungsprogramm (BBP) definiert Strukturen und verbindliche Standards für vorschulische Bildung in Berlin. Mehr zum BBP finden Sie auf den Seiten der Senatsverwaltung.
Wir wenden das BBP auf den interkulturellen Ansatz mit Deutsch und Chinesisch an und füllen die Strukturen und Konzepte mit spezifischen Inhalten. Das Bildungskonzept besteht daher aus mehreren Elementen wie in der folgenden Grafik dargestellt:
Charakteristisch sind:
- Selbstverständnis vom Kind: Das Kind ist ein kompetenter, aktiver Lerner. Das Kind steht mit seinem individuellen Selbstbildungsprozess im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit. Unabhängig von Herkunft und seinen individuellen Voraussetzungen soll jedes Kind die Chance haben, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten in die Entwicklung der Bildungsgemeinschaft einzubringen. Aus diesem Verständnis gilt es die Neugier des Kindes und sein Forschungsdrang individuell zu fördern und es in seiner Motivation, neue Dinge zu lernen, bestmöglich zu unterstützen; dies schließt aus, dem Kind feste Unterrichsformen oder rigide Tagesstrukturen vorzugeben, und stattdessen die Grundlage für den offenen Projektansatz als wichtigste Methode anzuwenden.
- Bildungsverständnis: Die Kita hat zum Ziel, dass die Kinder grundlegende Kompetenzen erwerben, dazu gehören Sach-, Soziale und Lernmethodische Kompetenzen (z.B. sich neues Wissen zu erschließen, lernen lernen). Die Erzieher haben die Aufgabe, die Kinder in diesem Lernprozess durch Gestaltung des Alltags, Spielanregung & Spielmaterial, Projekte und ein anregendes Raum & Materialangebot zu unterstützen. Damit ist der Erzieher explizit kein Lehrer, der Lerninhalte vorgibt, sondern Erzieher greifen die Impulse und Interessen der Kinder auf und geben Ihnen die Voraussetzungen und Anregungen, sich Wissen auf Grundlage der Eigenmotivation selbst anzueigenen und Ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse einzubringen.
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Bildungsbereiche: Im BBP sind sieben Bildungsbereiche definiert, welche oben dargestellt sind. Wir haben in allen Bidlungsbereichen Inhalte, Projekte, Spielangebote oder Ausstattungsideen aufgebaut (z.B. Sportkurse, Musikkurse, Theater-Projekte, Projekte für Feste wie zum Chinesischen Neujahr, Forscherkisten-Angebote, Zahnfee, etc.).
Eltern und Erzieher entwickeln zusammen Ideen für Zusatzangebote und die Weiterentwicklung der Bildungsbereiche, wie z.B. Tanzkurse, Kaligraphie, Kinder Kong Fu, etc. -
Rahmenbedingungen: Als Elterninitiativ-Kita ist die Zusammenarbeit und Einbindung der Eltern
sehr wichtig (s. auch Eltern). Wir haben die notwendigen Strukturen aufgebaut, um demokratische Beteiligung der Eltern und die Zusammenarbeit mit den Erziehern zu ermöglichen über den Elternrat und Elternaufgabenbereiche. Die Eltern helfen sich auch untereinander und suchen den Austausch auch außerhalb der Kita. Der Übergang in die Grundschule ist eine weitere wichtige Rahmenbedingung. Neben den deutschen Sprachvoraussetzungen sollen die Kinder auch die Möglichkeit haben, das Chinesisch im Schulalter weiterzuentwickeln. Hier besteht Kontakt zu Nachmittags- oder Wochenendschulen für Chinesisch. Eine Deutsch-Chinesische Grundschule wäre sicher der ideale Partner. Jedoch gibt es derzeit noch keine Schule in dieser Form. - Bebobachtung und Dokumentation: Die Erzieher führen regelmäßig Entwicklungsgespräche mit den Eltern auf Grundlage von Beobachtung und Dokumentation (z.B. Videodokumentation, Sprachlerntagebuch, individuelle Beobachungen).
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Werte: Zusätzlich zum Berliner Bildungsprogramm versuchen wir, den Kindern gemeinsame Werte zu vermitteln. Gerade in einer interkulturellen Kita mit unterschiedlichen Wertehintergründen bei den Familien helfen gemeinsame Werte im Zusammenleben. Gelebte Werte sind bei uns z.B. Vielfalt, Nachhaltigkeit oder auch Fröhlichkeit und ein familiäres Umfeld für die Kinder.
Fokus: Erlernen der Deutschen und Chinesischen Sprache
Bilingualität in der Kita ist ein etabliertes Konzept mit mehreren Jahrzenten Erfahrung in vielen Bereichen und fast für alle Sprachen. Chinesisch hat auf Grund der Zeichen einige Besonderheiten, die wir in unserem Ansatz für Bilingualität berücksichtigen:
- Oberstes Ziel ist, dass alle Kinder die deutsche Sprache fließend lernen und bestens für den Schuleintritt vorbereitet sind.
- Für Chinesisch ist das Ziel, dass die Kinder Chinesisch sprechen und verstehen lernen; dabei haben die Kinder bei Schuleintritt nicht ein vergleichbares Chinesisch-Niveau wie Kinder, die in China in einen Kindergarten gehen und dort teilweise schon im Alter von 3 Jahren mit dem Erlernen von Zeichen beginnen.
- Das Erlernen und Auswendiglernen von Zeichnen im frühkindlichen Alter ist daher kein Ziel, vielmehr möchten wir die Kinder spielerisch an die chinesischen Zeichen heranführen und sie mehr im Kontext des kreativen Gestaltens und Malens spielerisch einbinden.
- Wie in anderen bilingualen Kitas sind unsere Erzieher jeweils Muttersprachler - Deutsche und Chinesen - , die für die Kinder die jeweilige Sprache personifizieren. Damit wird die Sprache mit einer persönlichen Person verbunden.
- Es gilt "Eine-Sprache-pro-Person", d.h. Erzieher sprechen in Ihrer Muttersprache mit den Kindern, selbst wenn die Kinder diese Sprache noch nicht verstehen bzw. diese nur verstehen, aber noch nicht sprechen können.
- Die Sprache wird vor allem über Lieder, Tänze, Musik und Projekte, aber auch über die ganz normalen Alltagssituationen vermittelt. Dabei nutzen die Erzieher auch z.B. Lieder, die es sowohl auf Deutsch als auch auf Chinesisch gibt, da dann für die Kinder beispielsweise die Melodie eines Liedes bereits bekannt ist und das Erlernen erleichtert ist.
- Chinesisch-Kenntnisse in der Familie helfen in jedem Fall, z.B. können Erzieher mit den Eltern in Tür-und-Angel-Gesprächen ebenfalls Chinesisch sprechen, wodurch die Kinder sehen, dass auch die Eltern die Sprache aktiv fördern.
- Zeichen werden wie gesagt spielerich eingeführt, in den Räumen oder auch in den Büchern, es besteht aber nicht der Anspruch, dass die Kinder Zeichen wirklich lernen, viel wichtiger ist das Verstehen und die richtige Aussprache.
| Kleiner Fuchs auf Deutsch und Chinesisch | Berliner Knut auf Chinesisch | Die kleine Raupe Nimmersatt auf Deutsch... | ... und Chinesisch |
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Jahres-, Wochen- und Tagestruktur
Wir haben das Konzept und die Elemente in eine Jahres-, Wochen- und Tagestruktur übersetzt. Diese Struktur ist wie gesagt nicht streng fixiert, sondern gibt ein Beispiel, wie eine Woche oder ein Tag typischerweise abläuft.
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- In der Jahresstruktur greifen wir die Jahreszeiten thematisch auf und feiern die verschiedenen deutschen und chinesischen Feste entlang des Kalendars als wichtiger Kulturbestandteil, z.B. Weihnachten, Karneval, Chinesisches Neujahr oder das Mondfest.
- In der Wochenstruktur gibt es sprach-spezifische Projekte, z.B. auf Deutsch und Chinesisch, Ausflüge z.B. zur Bibliothek, zustätzliche Kurse wie Sport oder Musik und Raum für Vorschule für die Kinder, die in die Grundschule kommen.
- In der Tagesstruktur haben wir einige feste Orientierungspunkte für die Kinder wie den Morgenkreis, regelmäßiges Rausgehen, Mittagessen und Mittagsruhe aber auch Raum für freies Spiel, was für die Kinder sehr wichtig ist.
Wie man sieht, gibt es keine festen "Unterrichtsstunden", sondern der Tagesablauf ist an Projekte und den Vorlieben der Kinder orientiert, wie zu Beginn des Konzeptes geschildert.
Qualität
Wir haben im ersten Jahr den internen Qualitätsprozess des Berliner Bildungsprogrammes eingeführt und initial durchgeführt. Bei dieser Selbstevaluation bewerten Erzieher und Eltern anhand eines durch die Senatsverwaltung vorgegebenen Fragebogens die Umsetzungsqualität des Berliner Bildungsprogrammes in der Kita. Die Ergenisse werden allen zur Verfügung gestellt und dienen als Grundlage, um in einem Elternabend gemeinsam Aktionsfelder für Verbesserungsbereiche zu erarbeiten und mit Eltern und Erziehern umzusetzen.
Als Elterninitiativ-Kita nutzen wir zusätzlich den spezifischen Evaluations-Fragebogen der Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) e.V., in der spezifische Aspekte der Elterninitiativ-Kita bewertet werden.
Zur Durchführung haben wir bei den Eltern eigene Verantwortlichkeiten für Qualität und Sicherheit sowie die Koordination des Evaluationsprozesses eingeführt. Die Gesamtverantwortung für die Qualität trägt der Verein als Träger.

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